Wie eine RSL-Strategie aufgebaut ist

Eine RSL-Strategie ist ein festes Regelwerk, das aus der wöchentlichen Rangliste Käufe und Verkäufe ableitet.

Die Regeln legen fest, wann ein Titel ins Depot kommt und wann er es wieder verlässt. Diese Seite beschreibt sie in der Reihenfolge, in der eine einzelne Position sie durchläuft, vom Kauf bis zum Verkauf. Zu jeder Regel nennt sie die Studie, die sie stützt. Die Regeln sind einzeln belegt; ihre Kombination ist nicht wissenschaftlich getestet, und einen eigenen Backtest gibt es nicht.

Keine Anlageberatung. Diese Seite erläutert, wie eine Strategie auf Grundlage der RSL-Rangliste aufgebaut ist, und nennt die Studien zu jedem Baustein. Sie empfiehlt weder diese Strategie noch eine einzelne Aktie. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige, und bei Wertpapieren besteht das Risiko des Totalverlusts.

Haftungsausschluss und Risikohinweise im Einzelnen

Vor dem ersten Kauf

Vor dem ersten Kauf stehen der Index und die Kennzahl fest, nach der sortiert wird. Ein Rang ist nur innerhalb eines Index vergleichbar, weil er die Stellung eines Titels unter allen Titeln desselben Index angibt. Wer Index oder Kennzahl wechselt, sobald eine andere Wahl im Rückblick besser abgeschnitten hätte, wählt eine Regel im Nachhinein aus. Genau das war der Einwand von Jensen und Benington (1970) gegen Levys Ergebnisse.

Das Depot hält die fünf bestplatzierten Titel der Rangliste. Für diese Zahl gibt es keinen Beleg. Die Studien zum Momentum-Effekt bilden Portfolios aus Dutzenden oder Hunderten Titeln, und als breit gestreut gilt ein Portfolio nach Statman (1987) erst ab 30 bis 40 Aktien. Fünf Positionen sind deutlich konzentrierter: Der Kurs eines einzelnen Titels bewegt ein Fünftel des Depots.

Alle fünf Positionen werden mit demselben Betrag gekauft, unabhängig von Kurs oder Börsenwert des Unternehmens. So gewichten auch Jegadeesh und Titman (1993) in ihrer Bestätigung des Momentum-Effekts. Bei 5.000 € Anlagebetrag entfallen 5.000 € ÷ 5 = 1.000 € auf jeden Titel.

Gleiche Beträge setzen in der Regel einen Broker mit Bruchteilshandel voraus, also mit dem Kauf von Bruchteilen einer Aktie. Kostet eine Aktie 1.800 €, reichen 1.000 € für kein ganzes Stück; mit Bruchteilen sind es 1.000 € ÷ 1.800 € = 0,556 Stück. Ohne Bruchteile weichen die Positionen umso stärker voneinander ab, je kleiner der Anlagebetrag ist.

Der Kauf

Die fünf Titel mit dem höchsten RSL kommen ins Depot. Das Vorgehen geht auf Levy (1967) zurück, der seine Portfolios aus den Titeln mit den höchsten Werten zusammenstellte. Zwei optionale Prüfungen, die weiter unten beschrieben sind, können einen Titel an der Spitze überspringen.

Ein Marktfilter verzögert Neukäufe, solange der Gesamtmarkt unter seinem Trend liegt. Cooper, Gutierrez und Hameed (2004) zeigen, dass relatives Momentum vor allem nach steigenden Märkten Gewinne bringt. Daniel und Moskowitz (2016) finden die schwersten Verluste der Momentum-Strategie in der Erholung nach einem Markteinbruch. Faber (2007) prüft eine Trendregel am gleitenden Durchschnitt für ganze Anlageklassen; für Einzelaktien ist sie nicht untersucht. Wo der Gesamtmarkt gerade steht, zeigt die Kurzfassung des Markttrends.

Bei einer Übernahme wird ein Unternehmen als Ganzes verkauft: Ein Käufer bietet allen Aktionären einen festen Preis je Aktie. Das Angebot treibt den Kurs sprunghaft nach oben und damit in die Spitze der Rangliste; weiter steigen kann er kaum, weil der Käufer nicht mehr zahlt als angeboten. Beim Kauf von Twitter durch Elon Musk 2022 lag das Angebot bei 54,20 $, die Aktie notierte am 28. April bei 49,11 $. Im Erfolgsfall blieben (54,20 $ − 49,11 $) ÷ 49,11 $ = 10,4 %. Als Musk im Juli vom Kauf zurücktreten wollte, fiel der Kurs bis zum 11. Juli auf 32,65 $, also (32,65 $ − 49,11 $) ÷ 49,11 $ = −33,5 %. Mitchell und Pulvino (2001) beschreiben dieses Muster aus kleinem Gewinn und großem Verlustrisiko für Übernahmewetten insgesamt. Eine optionale Regel überspringt deshalb Aktien, deren Unternehmen als Ganzes verkauft werden soll.

Ein Sektor ist eine Gruppe von Unternehmen derselben Branche, etwa Technologie oder Energie. Momentum tritt nach Moskowitz und Grinblatt (1999) oft in ganzen Branchen gleichzeitig auf, sodass die fünf Bestplatzierten häufig aus demselben Sektor stammen. Eine optionale Regel begrenzt deshalb die Zahl der Positionen je Sektor, zum Beispiel auf zwei. Die Grenze senkt das Klumpenrisiko, also die Abhängigkeit des Depots von einer einzelnen Branche. Sie kostet zugleich einen Teil des Effekts, weil Moskowitz und Grinblatt einen großen Teil des Momentums auf Branchen zurückführen.

Die wöchentliche Prüfung

Das Depot wird einmal pro Woche, an einem festen Wochentag, mit der aktuellen Rangliste verglichen. Der RSL beruht auf Wochenschlusskursen, wie schon bei Levy (1967); eine tägliche Prüfung ändert an der Rangfolge wenig, erzeugt aber mehr Anlässe zum Handeln. Die RSL-Liste dieser Website wird jeden Tag neu berechnet, die Strategie nutzt davon einen Tag pro Woche.

Ein Halteband trennt die Schwelle für den Kauf von der Schwelle für den Verkauf. Gekauft wird nur auf den Plätzen 1 bis 5; gehalten wird, solange der Titel im oberen Viertel der Rangliste steht. Bei 500 Titeln endet das obere Viertel bei Rang 500 ÷ 4 = 125. Ohne Halteband würde jede Position verkauft, sobald sie von Platz 5 auf Platz 6 rutscht, und jeder Tausch kostet Gebühren. Novy-Marx und Velikov (2016) zeigen, dass ein solcher Abstand die Handelskosten von Momentum-Strategien deutlich senkt. Die Liste färbt die Plätze 1 bis 5 und alle Zeilen unterhalb des oberen Viertels eigens ein.

Rotation der Aktien im Depot

Eine Position wird verkauft, sobald eine von zwei Bedingungen eintritt: Sie verlässt das obere Viertel der Rangliste, oder ihr RSL fällt unter 1,00. Die erste Bedingung ist das Halteband aus dem vorigen Abschnitt. Die zweite greift, wenn der Kurs unter seinen eigenen Durchschnitt fällt, auch wenn der Rang noch reicht. Das kommt in schwachen Märkten vor, weil die Rangliste immer gefüllt ist: Liegen weniger als ein Viertel der Titel über 1,00, stehen im oberen Viertel auch Titel darunter. Am 16. Oktober 2026 lagen 254 von 500 Titeln des S&P 500 über 1,00. Der Beleg für die Grenze bei 1,00 ist schwach, weil Faber (2007) sie nur an Anlageklassen geprüft hat.

Den frei gewordenen Platz erhält der höchstplatzierte Titel, der noch nicht im Depot ist; für ihn gelten dieselben Prüfungen wie beim ersten Kauf. Liegt der Gesamtmarkt unter seinem Trend, bleibt das Geld bis zu einer späteren Prüfung unangelegt. Vom Gewinn eines Verkaufs fließt nur ein Fünftel in den Einsatz: Bei 1.000 € Einsatz und einem Verkauf für 1.500 € sind das 500 € ÷ 5 = 100 €, also 1.100 € für den neuen Titel und für jeden weiteren Tausch. Die übrigen 400 € bleiben als Reserve und decken spätere Verkäufe, die weniger einbringen als den Einsatz. Ein Verlust senkt den Einsatz auf dieselbe Weise. Die Positionen bleiben so nahe an gleichen Beträgen, mit einer Order für den Verkauf und einer für den Kauf. Eine Studie zu dieser Regel gibt es nicht.

Was jeder Tausch kostet

Jede Rotation besteht aus zwei Orders, einem Verkauf und einem Kauf. Jede Order kostet eine Gebühr des Brokers und den Spread, also den Abstand zwischen dem Kurs für Käufer und dem für Verkäufer. Bei angenommenen 20 Rotationen im Jahr sind das 20 × 2 = 40 Orders; bei 1 € Gebühr je Order kostet das 40 € im Jahr, bei 5.000 € Anlagebetrag also 40 € ÷ 5.000 € = 0,8 % ohne den Spread. Kosten haben schon Levys Ergebnisse aufgezehrt: Jensen und Benington (1970) fanden nach Kosten keinen Vorteil gegenüber Kaufen und Halten. Lesmond, Schill und Zhou (2004) zeigen, dass Momentum-Gewinne vor allem bei Titeln entstehen, deren Handel teuer ist.

Ein Verkauf mit Gewinn ist in Deutschland steuerpflichtig, sobald der Sparerpauschbetrag von 1.000 € im Jahr ausgeschöpft ist, bei Zusammenveranlagung 2.000 €. Darüber fallen 25 % Abgeltungsteuer an und darauf 5,5 % Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %, gegebenenfalls zuzüglich Kirchensteuer. Die Ersatzregel rechnet deshalb mit dem Gewinn nach Steuern. Im Beispiel oben bleiben von 500 € Gewinn 500 € × (1 − 0,26375) = 368,13 €, und der Einsatz steigt um 368,13 € ÷ 5 = 73,63 € statt um 100 €. Verluste aus Aktienverkäufen verrechnet die Bank mit späteren Gewinnen aus Aktienverkäufen.

Was belegt ist und was nicht

Jeder Baustein dieser Strategie stützt sich einzeln auf eine Studie, mit zwei Ausnahmen: der Zahl von fünf Positionen und der Regel für den Einsatz bei der Rotation. Die Kombination der Bausteine ist nicht wissenschaftlich getestet, und einen eigenen Backtest gibt es nicht. Ein Backtest ist eine Rechnung, die eine Strategie auf vergangene Kurse anwendet und zeigt, wie sie damals abgeschnitten hätte.

Häufige Fragen

Wie viel Geld braucht man für diese Strategie?

Eine feste Untergrenze gibt es nicht; mit Bruchteilshandel lässt sich jede Position auch mit einem kleinen Betrag kaufen. Die Kosten wiegen aber umso schwerer, je kleiner der Anlagebetrag ist. Bei 40 € Gebühren im Jahr sind das bei 5.000 € Anlagebetrag 40 € ÷ 5.000 € = 0,8 %, bei 2.000 € schon 40 € ÷ 2.000 € = 2 %.

Warum nur fünf Aktien?

Fünf Positionen sind eine Festlegung dieser Seite ohne Beleg. Mehr Positionen streuen das Risiko breiter: Levy verglich 20 Titel, und nach Statman (1987) gilt ein Portfolio erst ab 30 bis 40 Aktien als breit gestreut. Jede zusätzliche Position bringt aber mehr Rotationen und damit mehr Orders. Die Zahl ist ein Abwägen zwischen Streuung und Kosten.

Was passiert, wenn der Markttrend auf Rot steht?

Der Marktfilter greift, sobald der Index-RSL des S&P 500 bei 1,00 oder darunter liegt, also bei Rot und bei Gelb mit schwachem Index. Positionen im Depot bleiben davon unberührt; für sie gilt weiter die Verkaufsregel. Das Geld aus Verkäufen bleibt unangelegt, bis der Index seinen Durchschnitt wieder überschreitet. In einem langen Abschwung geht das Depot so nach und nach in Geld über.

Geht das auch mit einem anderen Index?

Ja. Die Liste rechnet für jeden Index eine eigene Rangliste, und die Regeln dieser Seite lassen sich auf jede davon anwenden. Der Index steht vor dem ersten Kauf fest und wird danach nicht gewechselt. Bei einem kleineren Index endet das obere Viertel früher, bei 100 Titeln mit Rang 100 ÷ 4 = 25. Der Markttrend dieser Website zeigt nur den S&P 500.

Warum wird nur einmal pro Woche geprüft?

Der RSL beruht auf Wochenschlusskursen: Innerhalb einer Woche ändert sich nur der aktuelle Kurs im Zähler, der Durchschnitt im Nenner bleibt gleich. Eine tägliche Prüfung erzeugt mehr Anlässe zum Handeln, ohne dass sich die Grundlage der Kennzahl ändert. Jeder zusätzliche Tausch kostet zwei Orders. Ein fester Wochentag verhindert außerdem, dass der Zeitpunkt der Prüfung nach dem Kursverlauf gewählt wird.

Gibt die Liste Kaufsignale?

Nein. Die Liste ordnet die Titel eines Index nach einer Kennzahl und empfiehlt keinen davon. Ein Platz an der Spitze besagt, dass der Kurs weiter über seinem Durchschnitt liegt als bei den übrigen Titeln; über die künftige Entwicklung sagt er nichts. Diese Seite erläutert, wie sich eine solche Rangliste in Regeln fassen lässt. Ob und wie jemand sie anwendet, ist eine eigene Entscheidung.

Zum Weiterlesen

Quellen

Welche Studie welche Regel stützt, steht im Abschnitt „Was belegt ist und was nicht“. Die Links führen über die DOI zum Aufsatz.

  • Robert A. Levy (1967): Relative Strength as a Criterion for Investment Selection. The Journal of Finance 22(4), S. 595–610. doi:10.1111/j.1540-6261.1967.tb00295.x
  • Michael C. Jensen, George A. Benington (1970): Random Walks and Technical Theories: Some Additional Evidence. The Journal of Finance 25(2), S. 469–482. doi:10.1111/j.1540-6261.1970.tb00671.x
  • Meir Statman (1987): How Many Stocks Make a Diversified Portfolio?. Journal of Financial and Quantitative Analysis 22(3), S. 353–363. doi:10.2307/2330969
  • Narasimhan Jegadeesh, Sheridan Titman (1993): Returns to Buying Winners and Selling Losers: Implications for Stock Market Efficiency. The Journal of Finance 48(1), S. 65–91. doi:10.1111/j.1540-6261.1993.tb04702.x
  • Tobias J. Moskowitz, Mark Grinblatt (1999): Do Industries Explain Momentum?. The Journal of Finance 54(4), S. 1249–1290. doi:10.1111/0022-1082.00146
  • Mark Mitchell, Todd Pulvino (2001): Characteristics of Risk and Return in Risk Arbitrage. The Journal of Finance 56(6), S. 2135–2175. doi:10.1111/0022-1082.00401
  • Michael J. Cooper, Roberto C. Gutierrez Jr., Allaudeen Hameed (2004): Market States and Momentum. The Journal of Finance 59(3), S. 1345–1365. doi:10.1111/j.1540-6261.2004.00665.x
  • David A. Lesmond, Michael J. Schill, Chunsheng Zhou (2004): The Illusory Nature of Momentum Profits. Journal of Financial Economics 71(2), S. 349–380. doi:10.1016/S0304-405X(03)00206-X
  • Mebane T. Faber (2007): A Quantitative Approach to Tactical Asset Allocation. The Journal of Wealth Management 9(4), S. 69–79. doi:10.3905/jwm.2007.674809
  • Kent Daniel, Tobias J. Moskowitz (2016): Momentum Crashes. Journal of Financial Economics 122(2), S. 221–247. doi:10.1016/j.jfineco.2015.12.002
  • Robert Novy-Marx, Mihail Velikov (2016): A Taxonomy of Anomalies and Their Trading Costs. The Review of Financial Studies 29(1), S. 104–147. doi:10.1093/rfs/hhv063

Keine Anlageberatung. Diese Seite erläutert, wie eine Strategie auf Grundlage der RSL-Rangliste aufgebaut ist, und nennt die Studien zu jedem Baustein. Sie empfiehlt weder diese Strategie noch eine einzelne Aktie. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige, und bei Wertpapieren besteht das Risiko des Totalverlusts.

Haftungsausschluss und Risikohinweise im Einzelnen