Die Spalte RSL 26W −1W zeigt denselben RSL wie die Spalte daneben — nur
eine Woche früher gerechnet. Diese Kennzahl gibt es in dieser Form nur in dieser
Liste.
Der klassische RSL nach Levy hat eine Schwäche, die in seiner Formel steckt: Der jüngste Kurs steht im Zähler. Was in der letzten Woche passiert ist, bestimmt die Rangfolge deshalb mit — und gerade auf so kurze Sicht laufen Kurse nach dem Befund der Forschung nicht fort, sondern kehren eher um.
Diese Seite erklärt die Schwäche, was „um eine Woche versetzt“ genau heißt, warum der RSL in dieser Liste trotzdem bleibt, was er ist, und wie man beide Spalten nebeneinander liest. Woher der Befund zur kurzfristigen Umkehr kommt, steht in Weiterentwicklung der RSL-Strategie.
Beim RSL zählt der jüngste Kurs nicht wie einer von vielen. Er ist die Hälfte der Formel.
Levy teilt den aktuellen Kurs durch den Durchschnitt aus diesem Kurs und den 26 Wochenschlusskursen davor. Im Nenner ist der jüngste Kurs einer von 27 und fällt kaum ins Gewicht. Im Zähler steht er allein. Steigt ein Titel in der letzten Woche um zehn Prozent, steigt sein RSL fast im selben Maß — gleich, was in den Monaten davor war.
Das wäre unproblematisch, wenn sich Kursbewegungen auf jeder Sicht gleich verhielten. Das tun sie nicht. Narasimhan Jegadeesh und Bruce Lehmann haben 1990 unabhängig voneinander gezeigt: Auf Horizonten von einer Woche bis zu einem Monat laufen Kurse nicht fort, sondern kehren um. Was kurzfristig stark gestiegen ist, gibt danach eher etwas ab; was gefallen ist, holt eher auf. Über Monate hinweg setzen sich Bewegungen dagegen eher fort — das ist der Effekt, den der RSL messen will.
Der RSL nimmt damit genau die Woche mit voller Wucht auf, in der sich der Effekt eher umkehrt, gegen den er gebaut ist. Die Forschung zum Momentum hat daraus die Konsequenz gezogen und lässt den jüngsten Monat ganz weg; wie das aussieht, zeigt die Seite zu Mom 12−2.
Beleg: Robert A. Levy 1967, Abschnitt II („Price Ratios“), Narasimhan Jegadeesh 1990, Abstract, Bruce N. Lehmann 1990, Narasimhan Jegadeesh 1993, Conclusions
Zähler und Nenner rücken gemeinsam einen Wochenschlusskurs zurück. Es ist derselbe RSL, nur zu einem früheren Zeitpunkt.
Man nimmt die Reihe der Wochenschlusskurse, streicht den jüngsten und rechnet auf dem Rest genau den RSL, den die Liste auch sonst rechnet: wieder 27 Kurse im Nenner, wieder der letzte davon im Zähler. Die Spalte zeigt also, welchen RSL der Titel vor einer Woche gehabt hätte.
Nicht gemeint ist der heutige Kurs, geteilt durch einen älteren Durchschnitt. Das wäre eine neue Kennzahl, und der jüngste Kurs stünde weiter im Zähler — genau das, was die Spalte vermeiden soll.
| RSL | RSL 26W −1W | |
|---|---|---|
| Zähler | jüngster Kurs | Wochenschlusskurs der Vorwoche |
| Nenner | Durchschnitt aus dem jüngsten Kurs und den 26 Wochenschlusskursen davor | Durchschnitt aus dem Kurs der Vorwoche und den 26 Wochenschlusskursen davor |
| Kurse im Nenner | 27 | 27 |
„Eine Woche“ heißt genau: ein Wochenschlusskurs. Als Kurs einer Woche gilt der letzte gehandelte Tag bis Freitag; die laufende Woche zählt mit ihrem jüngsten Kurs. An einem Freitag liegen zwischen beiden Zählern also genau fünf Handelstage, an einem Dienstag nur die beiden Tage seit dem letzten Freitag. Hat ein Titel weniger als 27 Wochenschlusskurse vor der jüngsten Woche, bleibt das Feld leer.
Die Spalte wird immer aus Wochenschlusskursen gerechnet — daher das „26W“ im Namen.
Zwei erfundene Aktien, je 28 Wochenschlusskurse. Nach dem RSL liegt A vorn, eine Woche früher B.
| Aktie | Kursverlauf | RSL | RSL 26W −1W |
|---|---|---|---|
| A | 27 Wochen bei 100,00, in der jüngsten Woche 115,00 | 1,14 | 1,00 |
| B | 14 Wochen bei 80,00, danach 14 Wochen bei 100,00 | 1,11 | 1,12 |
A ist monatelang nicht von der Stelle gekommen und in der letzten Woche gesprungen. Sein RSL von 1,14 kommt allein aus dieser Woche: Eine Woche früher stand er bei 1,00, also genau auf seinem Durchschnitt.
B ist in der Mitte des Fensters gestiegen und hat den Stand seitdem gehalten. In der letzten Woche ist nichts passiert; sein Wert ändert sich durch den Versatz kaum, von 1,11 auf 1,12. Dass er eine Woche früher sogar etwas höher liegt, hat einen einfachen Grund: Der Durchschnitt holt bei einem seitwärts laufenden Kurs langsam auf.
Nach dem RSL steht A vor B, eine Woche früher B vor A. Welche der beiden Aktien die bessere ist, sagt keine der Zahlen. Sie zeigen nur, woher der Vorsprung kommt.
Liegen sie nah beieinander, spielt die letzte Woche kaum eine Rolle. Liegen sie weit auseinander, bestimmt die letzte Woche die Rangfolge.
Für einen einzelnen Titel sagt das nichts voraus. Die kurzfristige Umkehr ist ein Befund über viele Aktien und viele Jahre, keine Regel, nach der sich jeder Kurs richtet. Die zweite Spalte ist eine Lesehilfe: Sie zeigt, wie stark ein Rang an einer einzigen Woche hängt.
Sie entfernt auch nicht die ganze Umkehr. Die Forschung findet sie auf Horizonten bis zu einem Monat; die Spalte lässt nur eine Woche aus, den kleinsten Schritt, den eine Reihe aus Wochenschlusskursen kennt. Eine längere Auslassung wäre denkbar. Ausprobiert haben wir sie bewusst nicht — warum, steht im nächsten Abschnitt.
Der RSL ist ein definierter Indikator. Wer ihn anderswo nachrechnet, muss dieselbe Zahl bekommen.
Ein „verbesserter RSL“, der die jüngste Woche weglässt, wäre kein RSL mehr. Wer nach der relativen Stärke eines Titels sucht und hier eine andere Zahl findet als überall sonst, kann die Liste nicht prüfen. Deshalb bleibt der RSL in dieser Liste unverändert nach Levy gerechnet und bestimmt die Rangfolge. Die versetzte Spalte steht daneben, nicht an seiner Stelle. Ausführlich steht das unter Warum der RSL bleibt, was er ist.
Aus demselben Grund ist an der Spalte nichts eingestellt. Eine Woche ist kein Wert, der sich auf unseren Daten als der beste erwiesen hätte, sondern der kleinste Versatz, den die Reihe zulässt. Wer an solchen Stellschrauben dreht, bis eine Kurve gut aussieht, wiederholt Levys eigentlichen Fehler: aus vielen Versuchen den besten zu veröffentlichen.
Ob der jüngste Kurs die Rangfolge an den Zahlen dieser Liste oft verschiebt, lässt sich nicht behaupten, nur messen. Jeder Lauf hält deshalb je Index fest, wie gut die beiden Rangfolgen übereinstimmen und wie weit die Plätze auseinanderliegen. Eine Auswertung über genug Wochen liegt noch nicht vor, und darum steht hier keine Zahl. Auch sie wird nur zeigen, wie stark die beiden Spalten voneinander abweichen — nicht, welche die besseren Titel auswählt.
Woher der RSL kommt, steht in RSL: Methodik & Herkunft.
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